VP Verkehrssprecher Georg Topf zu Masterplan Öffentlicher Verkehr 2040

Keine Lösung für Grazer Verkehrsprobleme


Zum heute von KPÖ, Grünen und SPÖ beschlossenen “Masterplan Öffentlicher Verkehr 2040“ äußert VP-Verkehrssprecher Georg Topf deutliche Kritik. Während die Koalition das Konzept als Meilenstein darstellt, ortet Topf gravierende Mängel - sowohl inhaltlich als auch in der Herangehensweise.
“Die heutige Beschlussfassung zeigt vor allem: Diese Koalition hält weiterhin stur an ihrer ideologischen Linie fest. Genau jene Lösungen, die Menschen zum Umstieg bewegen könnten, wurden in den vergangenen Jahren blockiert oder schlechtgeredet“, so DI Georg Topf.
Zentrale Schwäche: Kein Konzept für den Umstieg aus dem Umland
Der Masterplan verfehlt eines der wichtigsten Ziele moderner Verkehrspolitik: den funktionierenden Umstieg der Pendler in den öffentlichen Verkehr innerhalb der Stadt. Das zentrale Problem: Park & Ride wird im gesamten Konzept praktisch nicht berücksichtigt. Gerade an strategischen Punkten wie etwa in Webling im Zusammenhang mit der Verlängerung der Linie 5 fehlt eine klare Verknüpfung zwischen Individualverkehr und öffentlichem Verkehr.
“Der gesamte Masterplan ist ohne Park & Ride gedacht. Wer Menschen zum Umstieg bewegen will, muss ihnen attraktive Angebote machen. Ohne konsequenten Ausbau von Park & Ride bleibt das Konzept unvollständig und wird seine Wirkung verfehlen“. Besonders scharf kritisiert Topf dabei die Haltung innerhalb der Koalition.
“Von der KPÖ hören wir seit Jahren immer dieselben Ausreden: Das Umland solle die Pendler abfangen, das Land solle zahlen und die ÖVP solle sich bitte darum kümmern. Gleichzeitig erklären die Grünen weiterhin, die Menschen würden ohnehin außerhalb der Stadt umsteigen und Park & Ride in Graz funktioniere nicht. Dabei zeigt die Realität längst das Gegenteil.“

Als Beispiel nennt die Volkspartei den P&R-Standort Murpark, der seit Jahren hervorragend ausgelastet ist. “Anna Hopper hat es heute in der Fragestunde völlig richtig auf den Punkt gebracht: Wenn der Murpark so gut funktioniert, warum wurde die Anlage dann nicht längst ausgebaut? Die Antwort ist leider offensichtlich: Weil diese Koalition eigentlich gar nicht möchte, dass Menschen überhaupt mit dem Auto nach Graz kommen.“
Keine Perspektive für zentrale Nahverkehrsknoten
Ebenso unzureichend berücksichtigt ist die Anbindung von Nahverkehrsknoten an die Straßenbahn, die für attraktive Umstiegsangebote essenziell wäre. Besonders kritisch sieht Georg Topf die fehlende Einbindung zentraler Knotenpunkte:
• NVK Webling: Keine klare Strategie für die Anbindung, insbesondere kein konsequenter Ausbau der Linie 5
• Don Bosco: Keine vorgesehene Umkehrschleife, damit fehlt ein zentraler Baustein für eine rasche Anbindung des NVK Don Bosco
“Gerade diese Knotenpunkte wären entscheidend, um das ÖV-System insgesamt leistungsfähiger zu machen und den Hauptbahnhof zu entlasten. Genau das müsste jetzt priorisiert und nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben werden.“
S-Bahn-Tunnel: Schweigen als schlechtes Signal
Auch beim Thema S-Bahn-Tunnel bleibt der Masterplan unkonkret. Das Projekt ist weiterhin nicht Teil des Zielnetzes 2040 der ÖBB. “Wenn ein wesentliches Zukunftsprojekt aus dem ursprünglichen Grundsatzbeschluss in der Debatte nur noch am Rande vorkommt, ist das ein klares Signal. Der S-Bahn-Tunnel droht dauerhaft in der Versenkung zu verschwinden“.
Zu geringe Priorisierung: Ausbau praktisch auf eine Linie beschränkt
Besonders deutlich wird die fehlende Dynamik beim Zeitplan:
• Bis 2040 sind im Wesentlichen nur die Umsetzung der Linie 8 bzw. einzelner Teilbereiche vorgesehen
• Zahlreiche andere Projekte werden auf unbestimmte Zeit nach 2040 verschoben
“Ein Masterplan für 2040, der de facto nur ein einziges großes Projekt enthält, ist kein Zukunftskonzept, sondern eine Fortschreibung des Status quo“.
Ideologie löst keine Verkehrsprobleme
Für Georg Topf bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Wie gelingt der Umstieg der Pendler aus dem Umland in den städtischen öffentlichen Verkehr? “Wer weniger Autos in der Stadt haben will, braucht mehr öffentlichen Verkehr und bessere Anbindungen. Aber genau die besten Lösungen werden seit Jahren verhindert. Die Konsequenz ist doch nicht, dass die Menschen plötzlich verschwinden. Sie kommen trotzdem und stehen im Stau. Oder sie kommen irgendwann gar nicht mehr.“
Besonders problematisch sei das für den Wirtschaftsstandort Graz. “Die vielen Pendler, die täglich nach Graz kommen, sichern Arbeitsplätze und leisten einen wichtigen Beitrag zur Kommunalsteuer. Schon jetzt fehlen jene Menschen, die gar nicht mehr nach Graz fahren, unseren Geschäften, der Innenstadt und der gesamten Wirtschaft. Genau diese Menschen werden im heutigen ÖV-Konzept erneut ignoriert.“
Die Volkspartei verweist auf ihr eigenes Konzept, das auf leistungsfähige Mobilitätsknoten, Park & Ride-Systeme und die Verknüpfung mit S-Bahn und Straßenbahn setzt. Vorgesehen sind unter anderem große P&R-Knoten in Webling, Andritz, Don Bosco, Gösting und Murpark mit direkter Anbindung an den schienengebundenen öffentlichen Verkehr.
“Die Zukunft moderner Verkehrspolitik liegt in intelligenten Gesamtsystemen, nicht in ideologischen Feindbildern. Wer Menschen wirklich zum Umstieg bewegen will, braucht funktionierende Mobilitätsketten. Genau diese systemischen Lösungen fehlen diesem Masterplan“, so DI Georg Topf zusammenfassend.