Keine Ahnung von der Lebenssituation der Grazer Familien

Mit deutlichen Worten reagiert Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) auf die Aussagen von Bürgermeisterin Elke Kahr im Rahmen einer gestrigen Pressekonferenz. “In den letzten vier Jahren sind in Graz über 500 Kindergartenplätze verloren gegangen. Jedes zehnte Kinder in Graz zwischen 3 und 6 Jahren hat keinen Betreuungsplatz. Dass Frau Kahr behauptet es gäbe kein Problem, zeigt nur, dass sie den Ernst der Lage bis heute nicht verstanden hat. Frau Bürgermeisterin, Sie haben keine Ahnung von der Lebenssituation der Grazer Familien. Ich lade Sie gern einen Tag in die Servicestelle der Bildungsabteilung ein, wenn dort weinenden Müttern erklärt werden muss, warum sie keinen Platz bekommen.“
Fehlende Plätze sind das Ergebnis falscher politischer Schwerpunktsetzungen
Der Versorgungsgrad in Graz ist in dieser Gemeinderatsperiode von 97 Prozent auf knapp unter 91 Prozent gefallen und das nur, weil Tageseltern mit eingerechnet werden. Ohne sie wäre man schon unter die 90-Prozent-Marke gefallen. “Das ist das direkte Ergebnis falscher politischer Schwerpunktsetzungen in den vergangenen Jahren“, betont Kurt Hohensinner. Anstatt Mittel für den Ausbau zur Verfügung zu stellen, wurde an der falschen Stelle gespart. Besonders perfide ist, dass die Koalition gleichzeitig jedes Jahr rund 19 Millionen Euro aus der Zukunftsmilliarde erhält. Geld, das eigentlich für den Ausbau der Kinderbetreuung vorgesehen wäre. “Doch anstatt neue Gruppen zu schaffen, stopft die Stadtregierung seit Jahren damit andere Budgetlöcher. Die Leidtragenden sind Eltern und Kinder in dieser Stadt“, so Kurt Hohensinner.

Ausbau ist weiterhin Gebot der Stunde
Kritisch sieht Kurt Hohensinner außerdem die KPÖ-Äußerungen zur Aussetzung der Absenkung der Gruppengrößen: “Was die KPÖ hier betreibt, ist verlogen und fällt bei jedem Faktencheck gnadenlos durch. Ausgerechnet jene Person, die in den vergangenen Jahren maßgeblich für den Verlust von Kindergartenplätzen in Graz verantwortlich ist, kritisiert jetzt jene öffentlich, die gezwungen sind, ihr Scheiten mit akuten Maßnahmen auszugleichen. Frau Kahr beklagt ein Problem, das sie selbst geschaffen hat“, stellt Kurt Hohensinner klar. Ohne diese Maßnahme des Landes wäre der Versorgungsgrad in Graz sogar noch weiter auf 86/87 Prozent abgestürzt.
Hinzu kommt, dass von Bundesseite ab voraussichtlich 2027 das zweite verpflichtende Kindergartenjahr eingeführt werden soll. Ohne deutliche Ausbauoffensive ist Graz darauf in keinster Weise vorbereitet. “Deshalb darf die Aussetzung auch nicht als Einladung zum Ausruhen missverstanden werden. Ganz im Gegenteil, sie verschafft nur eine Atempause und ist dringender Auftrag, jetzt auszubauen. Wer heute bremst, gefährdet morgen die Versorgung von Familien“, warnt Kurt Hohensinner, “wir wollen für das Jahr 2026 um sieben Kindergartengruppen und eine Kinderkrippengruppe ausbauen. Ich hoffe, dass es diesmal die notwendigen finanziellen Mittel dafür gibt.“