Das Universalmuseum Joanneum trauert

Museum
  • Das Universalmuseum Joanneum trauert
Wie aus seinem Umfeld bekannt wurde, verstarb Herbert Brandl am Sonntag, 27.7. in seiner Wohnung in Wien. Sein absolut unerwarteter und viel zu früher Tod schockiert zutiefst. Inmitten intensiver Schaffenskraft hörte das Herz des wohl erfolgreichsten und einflussreichsten Malers des Landes auf zu schlagen. Der in Graz geborene Künstler lebte in Wien und in Bad Schwanberg, dem Ort seiner Kindheit.
Brandl gehörte sehr früh jener heftig diskutierten Bewegung an, die man seit Anfang der 1980er-Jahre als „Neue Malerei“ oder „Junge Wilde“ bezeichnet hat. Sein durchschlagender internationaler Erfolg in so jungen Jahren machte Herbert Brandl zu einer der prägendsten Malerpersönlichkeiten seiner Generation. Er wurde früh von Wilfried Skreiner, dem damaligen Leiter der Neuen Galerie Graz, gefördert und sein Werk wurde in der Folge dort auch regelmäßig ausgestellt – zuletzt 2002 „Chromophobie“. Brandl absolvierte sein Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei Peter Weibel und Herbert Tasquil. Bereits 1985 war sein Werk auf der Biennale von Venedig zu sehen, 1990 auf der documenta IX in Kassel und 2007 bestritt er den Österreichischen Länder Pavillon auf der Biennale in Venedig. 2020 wurde sein Werk umfassend in einer Schau im Grazer Kunsthaus gezeigt sowie gleichzeitig im Belvedere in Wien – „Exposed to Painting. Die letzten Zwanzig Jahre.“ Herbert Brandl wurde 2024 mit dem „Kunstpreis der Stadt Graz“ und mit dem „Ehrenzeichen des Landes Steiermark für Wissenschaft, Forschung und Kunst" ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich sowohl in den wesentlichen heimischen Museen wie auch in zahlreichen prominenten internationalen Sammlungen. Die weitreichende Strahlkraft der Malerei von Herbert Brandl blieb über die Jahre hinweg ungetrübt.

Sein bisher größtes Gemälde ist ab 20. August im Rahmen der STEIERMARK SCHAU 2025 in Leoben zu sehen. Es war seine Ambition und ein hoch konzentrierter Kraftakt, dieses 180 Quadratmeter große installative Gemälde zu realisieren.

Herbert Brandl war kein eskapistischer Künstler, der sich nicht um die Geschehnisse seiner Zeit gekümmert hat. Er bezog Position gegenüber Missständen und unterstützte aktiv Initiativen im ökologischen und sozialen Kontext. Aber er war kein Künstler, der die Öffentlichkeit suchte. Oft entzog er sich offiziellen Ereignissen im letzten Moment. Seine Zurückhaltung, seine Diskretion waren jedoch keinesfalls Ausdruck geringer Wertschätzung – jedoch wollte er niemals auf sich zeigen, sich in den Mittelpunkt stellen. Plötzlich entzieht er sich wieder – diesmal tragischerweise für immer.

Ein Nachruf von Günther Holler-Schuster

Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl
“Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Herbert Brandl – einem der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Österreichs, dessen Wurzeln tief in der Steiermark lagen. Seine eindrucksvollen Landschaftsgemälde und seine unverkennbare Bildsprache haben die internationale Kunstwelt geprägt und einen bleibenden Beitrag zur Gegenwartskunst geleistet.
Brandl war nicht nur ein sensibler Beobachter der Natur, sondern auch ein engagierter Mahner für ihren Schutz. Seine Kunst war durchdrungen von einem tiefen Respekt für die Umwelt und einer starken Verbundenheit mit seiner Heimatregion.
Mit seinem Tod verliert die Steiermark eine prägende Künstlerpersönlichkeit. Sein Werk wird über Generationen hinweg weiterwirken. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahegestanden sind.“

Foto: Herbert Brandl bei der Arbeit an seinem Gemälde "Gebirge", 2025 © Abdurrahman Mohamed Ali

www.museum-joanneum.at

Related Articles